Die Gedanken sind frei. Eine kleine Schwarz-Rot-Goldene Geschichte

„Die Gedanken sind frei“ – es gibt wohl kaum ein Kind, das dieses Lied nicht kennt. Dabei ist dieses alte Volkslied weit mehr als nur ein Kinderlied. Es ist wie die schwarz- rot-goldene Fahne eng mit der Entstehung der deutschen Nation verbunden.

1806 war durch Napoleon dem alten Kaiserreich der Deutschen eine unrühmliches Ende bereitet worden. Die deutschen Fürsten waren nun als Vasallen oder Untertanen von der Gunst des kleinen Franzosen abhängig. Erst 1813 gelang es in der sogenannten Völkerschlacht bei Leipzig, das Joch der Fremdherrschaft wieder abzuschütteln. Es waren vor allem Bürger und Studenten, die für Deutschland ihr Leben riskierten. In dieser Zeit der „Freiheitskriege“ tauchten auch zum ersten Mal die Farben unserer Bundesfahne auf.

Etwas älter ist das Lied „Die Gedanken sind frei“. 1808 hatten Achim von Arnim und Clemens Brentano es in ihre beliebte Volksliedsammlung „des Knaben Wunderhorn“ aufgenommen. Der darin formulierte Gedanke geht aber bis ins Mittelalter zurück. Wirklich populär wurde es erst später.

Nach dem Wiener Kongress sahen sich die Bürger um den Lohn für ihren Kampf geprellt. Von „Einigkeit, Recht und Freiheit“ wollten die Duodezfürsten nichts wissen. 1817 kam es auf der Wartburg bei Eisenach zu einer ersten großen nationalen Demonstration gegen die Fürstenherrschaft. Doch die im „Deutschen Bund“ versammelten Kleinstaaten unterdrückten mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 die eigenen Bürger und verunglimpften ihre Wortführer als „Demagogen“, was in etwa das Gleiche meint, wie die heute gebräuchliche Bezeichnung „Populisten“.

Trotzdem fand 1832 mit dem Hambacher Fest die nächste große Kundgebung für mehr Bürgerrechte und einen eigenen Nationalstaat statt. Die Farben des Festes waren Schwarz-Rot-Gold, die Redner forderten, was in der dritten Strophe des Deutschlandliedes anklingt: Einigkeit und Recht und Freiheit. Weder das eine noch das andere ließ sich aber gegen die Macht der Monarchen durchsetzen. In Turnvereinen, privaten Salons, Literatur und Musik wurde die Sehnsucht nach mehr Freiheit und einem Ende der Kleinstaaterei trotz aller Zensurmaßnahmen wach gehalten. In dieser Zeit des Vormärz erfreute sich auch das Lied „Die Gedanken sind frei“ großer Beliebtheit. Vor allem von den damals oppositionellen Studentenverbindungen wurde es gesungen.

Auch in späteren Zeiten, wenn die Deutschen sich gegen staatliche Willkür und Unterdrückung zur Wehr setzen mussten, erklang dieses Lied. Sophie Scholl soll es 1942 ihrem inhaftierten Vater vor dem Gefängnis auf der Flöte vorgespielt haben. Während der Berlin-Blockade 1948 stimmte die Menge vor dem Reichstag nach der Rede von Ernst Reuter spontan unter anderem dieses Lied an. Heute erinnern wir uns angesichts der totalen Überwachung durch die Geheimdienste und die immer weiter um sich greifende Sprachzensur der political correctness daran.

Es scheint, als erlebten wir heute eine neue Demagogenverfolgung. Wer Zweifel am Euro, am Klimawandel oder der Flüchtlingspolitik äußert, wird mit gesellschaftlicher Ächtung gestraft. Die Zeit ist reif für einen neuen, europäischen Vormärz. So wie damals die Göttinger Sieben aufbegehrten und sich später Professoren und Bürger in der Frankfurter Paulskirche versammelten, um eine neue, gerechte Nationalverfassung zu erarbeiten, so haben sich heute in der Alternative für Deutschland  Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengefunden, um drohenden Schaden von Deutschland und Europa abzuwenden.

Die Professoren von 1848/49 sind bekanntlich gescheitert. Die Einigung kam dann von oben, mit viel „Blut und Eisen“ und wenig Recht und Freiheit. Die schwarz-rot- goldene Fahne verschwand. Aber in der Weimarer Republik, der ersten Demokratie auf deutschem Boden, wurde sie zur Nationalflagge. Als „Schwarz-Rot-Senf“ von den Nazis verspottet ging sie mit der Republik unter. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten sie sowohl die Bundesrepublik und die kommunistische DDR wieder zur Nationalfahne. Sie stand neben dem offiziellen, nationalen Aspekt aber immer auch für freiheitliches Denken, Bürgerrechte und Demokratie. Die Deutsche „Demokratische“ Republik, die ein Überwachungsstaat war, hat sich zu Unrecht auf diese Tradition bezogen.

Es ist aufschlussreich, dass für viele „Linke“ wie auch für die Bundeskanzlerin Angela Merkel Schwarz-Rot-Gold zu einem störenden, irritierenden Symbol geworden zu sein scheint, das sie lieber heute als morgen verschwinden ließen, um stattdessen allein das Sternenbanner der EU oder ersatzweise eine Regenbogenfahne über dem Reichstag wehen zu lassen. Schwarz-Rot-Gold lässt sich aber nicht einfach ersetzen. Und das schöne Lied über die Gedankenfreiheit hat durch den NSA-Skandal und die Überwachung des Bürgers durch staatliche Geheimdienste auch eine unerwartete Aktualisierung erfahren. Freiheit und Demokratie gibt es nicht umsonst. Sie müssen verteidigt oder auch wiedererobert werden.

Lied auf YouTube: https://youtu.be/YVc0wBLri1A

(leicht überarbeitet am 6.11.2016; zuerst publiziert am 10.8.2013 hier: https://afd.berlin/die-gedanken-sind-frei-anmerkungen-zur-geschichte-und-aktualitaet-eines-alten-volksliedes/)

 

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www.götz-frömming.de

 

„Die Gedanken sind frei“ – es gibt wohl kaum ein Kind, das dieses Lied nicht kennt. Dabei ist dieses alte Volkslied weit mehr als nur ein Kinderlied. Es ist wie die schwarz- rot-goldene Fahne eng mit der Entstehung der deutschen Nation verbunden.

1806 war durch Napoleon dem alten Kaiserreich der Deutschen eine unrühmliches Ende bereitet worden. Die deutschen Fürsten waren nun als Vasallen oder Untertanen von der Gunst des kleinen Franzosen abhängig. Erst 1813 gelang es in der sogenannten Völkerschlacht bei Leipzig, das Joch der Fremdherrschaft wieder abzuschütteln. Es waren vor allem Bürger und Studenten, die für Deutschland ihr Leben riskierten. In dieser Zeit der „Freiheitskriege“ tauchten auch zum ersten Mal die Farben unserer Bundesfahne auf.

Etwas älter ist das Lied „Die Gedanken sind frei“. 1808 hatten Achim von Arnim und Clemens Brentano es in ihre beliebte Volksliedsammlung „des Knaben Wunderhorn“ aufgenommen. Der darin formulierte Gedanke geht aber bis ins Mittelalter zurück. Wirklich populär wurde es erst später.

Nach dem Wiener Kongress sahen sich die Bürger um den Lohn für ihren Kampf geprellt. Von „Einigkeit, Recht und Freiheit“ wollten die Duodezfürsten nichts wissen. 1817 kam es auf der Wartburg bei Eisenach zu einer ersten großen nationalen Demonstration gegen die Fürstenherrschaft. Doch die im „Deutschen Bund“ versammelten Kleinstaaten unterdrückten mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 die eigenen Bürger und verunglimpften ihre Wortführer als „Demagogen“, was in etwa das Gleiche meint, wie die heute gebräuchliche Bezeichnung „Populisten“.

Trotzdem fand 1832 mit dem Hambacher Fest die nächste große Kundgebung für mehr Bürgerrechte und einen eigenen Nationalstaat statt. Die Farben des Festes waren Schwarz-Rot-Gold, die Redner forderten, was in der dritten Strophe des Deutschlandliedes anklingt: Einigkeit und Recht und Freiheit. Weder das eine noch das andere ließ sich aber gegen die Macht der Monarchen durchsetzen. In Turnvereinen, privaten Salons, Literatur und Musik wurde die Sehnsucht nach mehr Freiheit und einem Ende der Kleinstaaterei trotz aller Zensurmaßnahmen wach gehalten. In dieser Zeit des Vormärz erfreute sich auch das Lied „Die Gedanken sind frei“ großer Beliebtheit. Vor allem von den damals oppositionellen Studentenverbindungen wurde es gesungen.

Auch in späteren Zeiten, wenn die Deutschen sich gegen staatliche Willkür und Unterdrückung zur Wehr setzen mussten, erklang dieses Lied. Sophie Scholl soll es 1942 ihrem inhaftierten Vater vor dem Gefängnis auf der Flöte vorgespielt haben. Während der Berlin-Blockade 1948 stimmte die Menge vor dem Reichstag nach der Rede von Ernst Reuter spontan unter anderem dieses Lied an. Heute erinnern wir uns angesichts der totalen Überwachung durch die Geheimdienste und die immer weiter um sich greifende Sprachzensur der political correctness daran.

Es scheint, als erlebten wir heute eine neue Demagogenverfolgung. Wer Zweifel am Euro, am Klimawandel oder der Flüchtlingspolitik äußert, wird mit gesellschaftlicher Ächtung gestraft. Die Zeit ist reif für einen neuen, europäischen Vormärz. So wie damals die Göttinger Sieben aufbegehrten und sich später Professoren und Bürger in der Frankfurter Paulskirche versammelten, um eine neue, gerechte Nationalverfassung zu erarbeiten, so haben sich heute in der Alternative für Deutschland  Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengefunden, um drohenden Schaden von Deutschland und Europa abzuwenden.

Die Professoren von 1848/49 sind bekanntlich gescheitert. Die Einigung kam dann von oben, mit viel „Blut und Eisen“ und wenig Recht und Freiheit. Die schwarz-rot- goldene Fahne verschwand. Aber in der Weimarer Republik, der ersten Demokratie auf deutschem Boden, wurde sie zur Nationalflagge. Als „Schwarz-Rot-Senf“ von den Nazis verspottet ging sie mit der Republik unter. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten sie sowohl die Bundesrepublik und die kommunistische DDR wieder zur Nationalfahne. Sie stand neben dem offiziellen, nationalen Aspekt aber immer auch für freiheitliches Denken, Bürgerrechte und Demokratie. Die Deutsche „Demokratische“ Republik, die ein Überwachungsstaat war, hat sich zu Unrecht auf diese Tradition bezogen.

Es ist aufschlussreich, dass für viele „Linke“ wie auch für die Bundeskanzlerin Angela Merkel Schwarz-Rot-Gold zu einem störenden, irritierenden Symbol geworden zu sein scheint, das sie lieber heute als morgen verschwinden ließen, um stattdessen allein das Sternenbanner der EU oder ersatzweise eine Regenbogenfahne über dem Reichstag wehen zu lassen. Schwarz-Rot-Gold lässt sich aber nicht einfach ersetzen. Und das schöne Lied über die Gedankenfreiheit hat durch den NSA-Skandal und die Überwachung des Bürgers durch staatliche Geheimdienste auch eine unerwartete Aktualisierung erfahren. Freiheit und Demokratie gibt es nicht umsonst. Sie müssen verteidigt oder auch wiedererobert werden.

Lied auf YouTube: https://youtu.be/YVc0wBLri1A

(leicht überarbeitet am 6.11.2016; zuerst publiziert am 10.8.2013 hier: https://afd.berlin/die-gedanken-sind-frei-anmerkungen-zur-geschichte-und-aktualitaet-eines-alten-volksliedes/)

 

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